Meine Erfahrungen mit…

 

...Begutachtungen

Möglicherweise ist man damit konfrontiert, dass ein ärztliches Gutachten benötigt wird. Jeder Mensch kann schnell und unverschuldet in eine solche Situation geraten. Ein großer Teil geht ahnungslos und unvorbereitet zur gutachterlichen Untersuchung. Was nicht wirklich anzuraten ist, da es im Ergebnis um eine einschneidende Zukunftsentscheidung geht. Im Einzelnen macht es hier wenig Sinn vorzutragen, was möglicherweise entscheidungserheblich sein kann. Ich möchte aber auf gezielte eigenständige Recherche hinweisen, worauf man zumindest im Kern achten sollte.

Im schlimmsten Fall kann ein medizinischer Sachverständiger willkürliche Einschätzungen über deinen Gesundheitszustand und deiner Gesamtsituation niederschreiben, und zwar so, dass es einem die Füße unter dem Boden wegzieht.

Außerdem kann es heißen, dass in der Regel die Schilderung deiner Beschwerden mit deinen eigenen Worten wichtiger ist, als die Mitteilung von Diagnosen. Dem kann ich erfahrungsgemäß keinesfalls zustimmen. Man sollte sich daher nicht darauf verlassen. Die ausführliche Schilderung meiner Beschwerden, weder mündlich, noch in schriftlicher Form, hat in vielen Fällen nicht mal im Ansatz interessiert.

Sinnvoller scheint mir daher, sich absichernd bei seinen Fachärzten, bei denen man zuvor in Behandlung war, jeweils einen ausführlichen Arztbericht persönlich einzuholen. Dieser sollte am besten eine sehr detaillierte, korrekte, unmissverständliche und aktuelle Wiedergabe seiner gesamten Untersuchungsergebnisse beinhalten. Falls der Arztbericht unvollständig ist und Relevantes fehlt – dies kann beispielsweise auch nur ein unrichtiges Datum sein – bittet den Behandler höflich um Korrektur oder Ergänzung. Das ist lediglich ein kleiner Ratschlag, kann aber dennoch bedeutsam sein. Gebt Kopien ab und behaltet die Originale bei euch.

Wer sich vor und in einer Begutachtungssituation befindet, steht in einer unausbleiblichen Stresssituation. Ich habe eine vorweisliche Menge an Begutachtungen hinter mir, die es mir erlaubt, zusammenfassend davon zu berichten.

Es ist bekanntlich so, dass sich behördliche Institutionen bei Forderungen von Ansprüchen, prinzipiell erst mal quer stellen. Das heißt, deine Anträge können von vornherein, egal ob deine Ansprüche berechtigt sind, ohne weitere Gründe abgelehnt werden. Mit Fairness hat das  wohl weniger zu tun, scheint aber leider gängige Praxis zu sein.

Irgendwann ist es dann leider so, dass es zu einem Klageverfahren kommen kann, weil man mit seiner Argumentation, mit seinem Vorbringen und mit seinen ärztlichen  Unterlagen nicht durchgreifen kann. Das kann jetzt daran liegen, dass tatsächlich keine Ansprüche des Antragstellers bestehen; genauso gut kann aber Gegenteiliges vorliegen, dass eben Ansprüche bestehen, aber laut der jeweiligen Institution keine Anspruchsberechtigung „ersichtlich“ ist.

Diese Klagewege können ausgesprochen beschwerlich, teilweise niederschmetternd und langwierig werden. Diese Erkenntnis musste auch ich zur Genüge feststellen und kann daher nur dringend raten, sich auf diese  Situation vorzubereiten, in der Gestalt, dass es einem klar vor Augen sein muss, wann Anträge „nicht nachvollziehbar“, „ungerechtfertigt“ und „unbegründet“ abgelehnt werden. Ein systematisch ablehnendes Verhalten möchte ich gar nicht unterstellen, dennoch scheint es wohl häufig so vorzukommen.

Viele Betroffene halten diese Ungerechtigkeit nicht aus und ziehen daher ihre Forderungen wieder zurück. Diese Begebenheiten sollte man vorab wissen. Trotz alledem, sollte man aber auch nicht vorschnell von seinen Forderungen zurückrudern, bloß weil einem der Gegner überzeugend glaubhaft macht, die Forderungen wären unberechtigt. Dass es sich hier um taktisches Vorgehen der verschiedenen Einrichtungen handelt, sollte man als Möglichkeit in Betracht ziehen.

Es gibt im zahnärztlichen Bereich unterschiedliche Gutachten. Vertragszahnärztliche Gutachten, Privatgutachten und Gerichtsgutachten.

Bei konsekutiv hinzugetretenen chronischen Schmerzen, ist es auch ärztliche Aufgabe des Sachverständigen, auf körperlicher sowie auch auf emotionaler Ebene, je nach Fragestellung des Gutachtenauftrages, die erforderliche Kompetenz vorzuweisen, um dementsprechend beurteilen zu können. In sozialrechtlichen Verfahren ist es deshalb ratsam, auf einen Gutachter, der Facharzt für Anästhesiologie und zudem auf „spezielle Schmerztherapie“ geschult ist, hinzuwirken.

Gerne und regelmäßig wird auch auf ärztliche Sachverständige zurückgegriffen, die zur medizinisch psychologischen oder psychiatrischen Gutachtenerstellung beitragen.  Meiner Meinung nach, ist hier erfahrungsgemäß besondere Wachsamkeit geboten. Auch ein nicht unerheblicher Teil der Menschen, die in diesem Bereich schon begutachtet wurden, teilen mir mit, dass gerade hier unrichtige Angaben, unwahre Wiedergaben, auffällig falsche Interpretationen etc. stattfinden. Persönliche Gegendarstellungen können zwar dem Gericht mitgeteilt werden, aber welch gewichtige Stellung diese dann wiederum haben, ist eine andere Frage.

Wie man nachlesen kann, bin ich im Besitz vielfältiger Gutachten verschiedenster Auftraggeber.  Im Prinzip waren alle erdenklichen Begutachtungssituationen dabei. Von der absolut objektiven, neutralen und fairen Begutachtung, die sich dann auch im schriftlichen Ergebnis zeigte, bis zur äußerst fragwürdigen und menschenverachtenden Begutachtungssituation. Auf  letztere aufgezählte desolate Vorkommnisse, kann ich nur eindringlich per Fingerzeig  hinweisen. Ich möchte aber keinesfalls Betroffene entmutigen, ihre Rechte notfalls einzuklagen. Wenngleich muss ich demgegenüber relativieren, zumal ordentliche Begutachtungsverfahren gleichwohl stattgefunden haben.

Eines ist hingegen gewiss, findet eine unrichtige Begutachtung statt, kann sich das komplette Verfahren des Antragstellers, durchgehend wie ein roter Faden, zu seinen Ungunsten entwickeln. Die Chancen stehen infolgedessen dann deutlich schlechter, das angestrebte Gerichtsverfahren zuversichtlich zu Wege zu bringen. Die Richterschaft liest und „sieht“  dann nur das, was vor ihnen liegt und es wird letzten Endes das unverwertbare Gutachten zur Entscheidungsfindung benutzt.

 

medizinischer Rehabilitation

Die verschiedenen regelmäßigen sportlichen Aktivitäten, z.B. Übungen in der Turnhalle mit dem Pezziball, sowie die Bewegungstherapie im Allgemeinen, waren im Hinblick meiner bestehenden Bewegungsschmerzen, eher kontraproduktiv und verschlechterten meine Schmerzsymptomatik.

Entspannungsmethoden wie Progressive Muskelrelaxation nach Jacobsen, die überwiegend im Liegen stattfanden, waren insofern hilfreich, dass sie, durch angenehme Grundstimmung, zur Ruhe und körperlichen Entlastung verhalfen. Die dort erlernte Durchführung der Entspannungsverfahren war für das häusliche Übungsprogramm hilfreich.

Aus der Kunsttherapie, die mir persönlich am Herzen lag, konnte ich leider, wegen der erforderlichen ungünstigen Kopfhaltung und den folglich vermehrt auftretenden Schmerzen, keine gesundheitliche Verbesserung erzielen.

Die wenigen physiotherapeutischen Anwendungen waren im Bereich der manuellen Therapie. Spezifische Behandlung, bezogen auf das Kiefergelenk und die Therapie einer Craniomandibulären Dysfunktion war nicht gegeben.

Rücksprachen auf orthopädischem Fachgebiet gab es keine. Massagen, Wärmetherapien oder dergleichen, waren nicht, in dem für mich abgestimmten Programm, enthalten.

Psychotherapeutische Interventionen in der Gruppe waren interessant, aufgrund der bestandenen Sympathie zwischen der zwölf köpfigen Therapiegruppe. Hilfreiche Einzelgespräche waren aufgrund mangelnder Sensibilität des Therapeuten, bezogen auf somatische (körperliche) Schmerzen, nicht gegeben.

Medikamentöse Therapien wurden bei Bedarf durchgeführt.

Gesamtbeurteilung dieser Heilmaßnahme: Unzureichende Schmerzlinderung durch mangelndes Verständnis für CMD- Erkrankte. Die Therapie von Patienten wie mir, mit körperlicher Schädigung und den damit verbundenen somatischen Schmerzen, war schlichtweg unbefriedigend. Die durchgeführten Maßnahmen konnten im Rahmen des Heilungsprozesses keine zufriedenstellenden Verbesserungen erbringen.

Somit brachte mir die medizinische Rehabilitation, in Hinblick der multimodalen Behandlungsmethoden, keinerlei Verbesserung meiner Schmerzproblematik.

Grundsätzlich möchte ich nicht von Reha Maßnahmen abraten, vielmehr dazu animieren, sich im Vorfeld,  über Kliniken und deren Therapieangebote zu informieren

 

 Psychotherapie

Vorab möchte ich zutragen, dass ich vor meiner Erkrankung keine einzige Therapiesitzung beim Psychologen kenne und von daher keine Vorerfahrung hatte.

Wie ich ja bereits schon vor längerer Zeit, über einen vierwöchigen Reha Aufenthalt im Jahre 2011 berichtet habe (siehe oben), arbeitete man hier ergänzend mit einem Psychotherapieverfahren.Dazu zählen natürlich Therapeuten, die man sich zwangsläufig nicht aussuchen kann. Eine Therapeutenwahl gibt es demgemäß also nicht, egal ob man miteinander kann oder nicht. Für den verhaltenstherapeutischen Prozess wirkt sich das im Falle „negativer Grundstimmung“ nicht gerade positiv aus. Für beide Seiten, sprich für den Patienten, sowie für den Therapeuten, ist das eher ein frustrierendes Ereignis.

Für den psychologischen Therapeuten der Einrichtung ist die Sache spätestens nach Beendigung des Aufenthaltes in der Klinik erledigt. Für die Patienten aber, die einige Wochen später, folgernd einen ärztlichen Entlassungsbericht über ihren Hausarzt erhalten, müssen im Falle eines wohl bedachten unrichtigen Arztberichtes, die möglichen Konsequenzen in vollem Ausmaß ertragen. Zukünftig kann dieser Bericht daher folgenträchtige Auswirkungen für deren weiteren Therapieweg haben. 

Was die Psychotherapie anbelangt, sah ich diese deswegen eher kritisch und ich halte sie, aufgrund der Erfahrung, nachdrücklich für nicht unbedenklich.

Nach dieser Zeit, beendete ich eine einjährige kognitive Verhaltenstherapie (KVT) im Jahr 2011 und später abermals eine einjährige KVT im Jahr 2015.

Die Schwierigkeit besteht darin, einen passenden Psychologen zu finden, der auf die individuelle Problematik des jeweiligen hilfebedürftigen Patienten angemessen eingehen kann. Auch bestätigt es mich, durch Berichte von vielen Betroffenen, welch mühselige  Aufgabe es sein kann, speziell einen geeigneten Therapeuten zu finden, der offen und vorbehaltlos im Umgang mit Patienten mit der Diagnose Craniomandibuläre Dysfunktion ist.

Mein Tipp an euch: Versteift euch nicht auf die Bezeichnung „CMD“– den Therapeuten kann die fachfremde Bezeichnung mit all seinem ganzen Drumherum berechtigter Weise überfordern. Die allumfassende Thematik, die ein großer Belastungsfaktor sein kann, sollte allerdings aber auch nicht ganz vom Tisch gefegt werden.

Mir ist bewusst, dass ich großes Glück hatte, ohne lange Suche auf zwei sehr unterschiedliche, aber sehr menschliche und kompetente Fachkräfte zu treffen, die mir mit Würde, Achtung und Respekt entgegen gekommen sind.

Damit man vorab keine peinlich falsche  Vorstellung von einer Psychotherapie hat, zähle ich noch kurz zusammengefasst den Ablauf einer Solchen auf.

Der Sinngehalt „sich etwas von der Seele reden“ hat hier sicher wesentliche Bedeutung. Insofern kann die Gesprächstherapie emotional im besten Fall nützlich sein. Gefolgt von Entspannungsübungen, lernt man sich aktiv zu entspannen. Diese Aufgabe soll zur Schmerzlinderung beitragen. Bei der Stressbewältigung übernimmt man, wie Gedanken den Stresspegel beeinflussen können und wie man leichter mit schweren Lebenssituationen umgeht. Dazu werden noch Übungen von Techniken zur Schmerzbewältigung verinnerlicht, um möglichst besser mit Schmerzen leben zu können. Bei der letzten Therapie, war ich eine Art „Punktesammlerin“. Den Rest behalte ich für mich.

Letztlich ist es so, dass der Therapeut  über den Patienten einen Bericht verfasst.  Was dieser im Anschluss so niederschreibt, liegt in seiner Einschätzung und seinem Ermessen. Ich habe von diesen beiden Therapeuten, nach Verlangen, jeweils eine umfassende, richtig zutreffende und vor allem freundlich geschriebene Ausführung erhalten.

Dass es keine Garantie für einen guten Ausgang einer solchen Therapie gibt, ist jedem geläufig. Eine  spürbare Schmerzlinderung habe ich leider nicht erfahren, bin aber beiden Therapeuten sehr dankbar, dass sie ein offenes Ohr für mich hatten und trotz verbleibender Schmerzen und Einschränkungen mir in kleinen Schritten, wenn auch nur kleine Wege, eröffneten. 

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